13.04.2005, 12:01
Die Störche lassen in diesem Jahr in Norddeutschland auf sich warten. Bislang sei «erst eine Hand voll Nester» besetzt, sagte Hans-Heinrich Zöllick, Landesbetreuer für Mecklenburg-Vorpommern beim Bundesarbeitskreis Weißstorch, am Dienstag. In der Regel seien bis Mitte April die meisten der Störche in ihre Brutgebiete zurückgekehrt. «Im Vorjahr war am 5. April schon mehr als die Hälfte der Horste besetzt», sagte Zöllick.
Als Ursache für die Verspätung in diesem Jahr vermuten die Storchenschützer schlechte Witterungsbedingungen in der Türkei. Wenn es dort kalt, windig und regnerisch sei, könnten die Störche als Segelflieger nicht starten, sagte der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz des Naturschutzbundes, Christoph Kaatz. Für diese Annahme spreche, dass diejenigen Störche, die auf der westlichen Route über Spanien aus ihren Winterquartieren in Afrika zurückkehren, bereits brüteten. Die norddeutschen Störche seien jedoch überwiegend «Ostzieher».
Die in Südafrika, im Sudan oder Tschad überwinternden Störche legen Zöllick zufolge bis zu 10 000 Kilometer zurück. Dabei hätten sie zahlreiche Hürden zu nehmen. Die Überquerung des Bosporus sei nicht gefahrlos, und im Libanon würden Störche geschossen, sagte er. «Manche verunglücken auch bei der Nahrungssuche auf Mülldeponien oder vergiften sich.»
Je später die Störche ankommen, desto schwieriger wird laut Zöllick das Brüten und Großziehen des Nachwuchses. Während die Störche früher fünf Monate - von Anfang April bis Anfang September - in der Region gewesen seien, habe sich diese Zeit mittlerweile auf vier Monate verkürzt. «Das ist sehr, sehr wenig, um zu brüten und die Nestlinge aufzuziehen», sagte er.